Von Klimaschutz und Denkmalschutz

Die Quartiere der Deutsche Wohnen sind steinerne Zeitzeugen und in vielen Teilen Meilensteine der Architekturgeschichte. Das gilt besonders für die Wohnanlagen, die auf der Weltkulturerbe-Liste erfasst sind – aber aus unserer Sicht nicht nur für sie. Schutz verdienen auch Häuser, die nicht unter Denkmalschutz stehen. So wie die Häuser der Eisenbahnersiedlung in der Gallwitzallee in Berlin-Lankwitz.

Das architektonische Andenken zu bewahren, das Wohlbefinden der Mieterinnen und Mieter zu steigern und den Schutz des Klimas unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach. Aber es geht, wie das Instandsetzungs- und Sanierungsvorhaben in der Gallwitzallee zeigt: Moderne Bäder, neue Fassaden und schönere Außenanlagen sind im Sinne der Mieterinnen und Mieter. Die Umstellung der dezentralen Wärmeversorgung auf eine zentrale Versorgung durch Gas-Brennwertkessel und gezielte Wärmedämmung mit Mineralwolle führen zu einer Reduzierung des Primär- und Endenergieverbrauchs und der damit verbundenen Klimaemissionen um etwa 650 Tonnen pro Jahr. Der selbstgegebene Denkmalschutz zeigt sich insbesondere im Detail: Die Hauseingangstüren werden in Anlehnung an den ursprünglichen Charakter wiederhergestellt und die Holzkastendoppelfenster in Richtung Gallwitzallee als Reminiszenz an die bauzeitliche Fassade behutsam aufbereitet und wiedereingesetzt. Außerhalb der Straßenfassade ersetzen wir die Doppelfenster durch moderne Isolierfenster mit Holzrahmen. Rund 70 % der Gesamtinvestitionen werden für die Instandsetzung verwendet und deshalb ausschließlich von uns getragen. Die verbleibenden 30 % sind die Basis für die gesetzlich erlaubte Umlage – selbstverständlich unter der Berücksichtigung individueller finanzieller Härtefallregelungen.

Stichwort Klimaschutz: Wir denken dabei weit über das Quartier in der Gallwitzallee hinaus, denn der Gebäudesektor verursacht in Deutschland rund ein Drittel der Klimaemissionen und spielt daher bei der Erreichung der klimapolitischen Ziele eine tragende Rolle. Bisher gibt es nur wenige ganzheitliche Ansätze, die eine Neustrukturierung von Bestandsquartieren betrachten. Deshalb haben wir gemeinsam mit den Partnern innogy und Transsolar im Rahmen des Verbundprojekts der Stiftung 2° und des WWF Weg in die <2°-Wirtschaft ein übergreifendes Konzept für nachhaltige CO2-orientierte Sanierungen von Bestandsquartieren vorgelegt. Im Mittelpunkt des Konzepts steht eine Blaupause mit einem Maßnahmenmix in der Sanierung: Fassadendämmung, Austausch der Fenster, Aufstockung des Gebäudes, Installation von Photovoltaikanlagen auf dem Dach, Einsatz von Blockheizkraftwerken oder die Nutzung von Regenwasser, aber auch neue Mobilitätskonzepte. Unser Partner Transsolar hat dieses Konzept konkret mit Bezug zur Praxis an unserem aktuellen Bauprojekt in der Gallwitzallee getestet. Mit dem Ergebnis: CO2-Neutralität des Quartiers ist nur mit einem hohen technischen und finanziellen Aufwand möglich.

Die Studie hat uns in unserem Vorgehen bestätigt: Wir sind auf dem richtigen Weg. Mit unseren umfassenden Maßnahmen haben wir eine Reduzierung der Primärund Endenergie sowie der damit verbundenen Klimaemissionen von etwa 50 % erreicht. Gleichzeitig wurde die notwendige Infrastruktur geschaffen, um bei zukünftigen technologischen Entwicklungen flexibel agieren und zum Beispiel durch Speicherlösungen die Wärmeversorgungsanlage weiter optimieren zu können.