Von wegen altes Haus!

Das Wohn- und Geschäftshaus in der Argentinischen Allee 221 in Berlin hat in den Jahren seit seinem Bau im Jahr 1970 keine auffallende Rolle gespielt. Ganz im Gegensatz zur benachbarten Waldsiedlung von Bruno Taut. Mit einer Investition von rund EUR 5 Mio. hat sich das geändert.

Aus dem typischen 1970er-Jahre-Bau ist ein architektonisches An- und Abschlussstück zur Waldsiedlung und dank umfangreicher Baumaß- nahmen auch ein ausgezeichnetes Vorzeigeobjekt für nachhaltiges Bauen geworden – nach Maßstäben, die sonst nur im Neubau angewendet werden. Dafür hat sich das Unternehmen den kompletten Prozess von der Planung bis zum Bau durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifizieren lassen. Insgesamt über 30 Kriterien in den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Technik, soziostrukturelle und funktionale Qualität sowie Standort- und Prozessqualität wurden dabei bewertet. Ein besonderer Blick lohnt auf den Energieverbrauch: Er konnte um 80 % reduziert werden. Das entspricht ungefähr 100 Tonnen weniger Kohlendioxid – pro Jahr.

Status Gold

Die Deutsche Wohnen ist für die Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses in der Argentinischen Allee mit dem Gold-Status der DGNB ausgezeichnet worden. Dieses Gütesiegel wird nach einer um- fassenden Betrachtung der Baumaßnahmen vergeben, zu denen auch die Lebenszyklusbetrachtung, die Verwendung gesunder und hochwertiger Materialien sowie nachhaltige Energie-, Wasser- und Verkehrskonzepte gehören. Im nachfolgenden Interview mit Prof. Alexander Rudolphi – Präsident und Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – steht die Bedeutung des nachhaltigen Bauens im Fokus.

Nachhaltiges Bauen – Ein Interview mit Prof. Alexander Rudolphi

Was bedeutet nachhaltiges Bauen für Sie?

Bei der DGNB steht Nachhaltigkeit synonym für Qualität und Zukunftsfähigkeit. Es geht um die Umwelt und den Menschen genauso wie um die Wirtschaftlichkeit einer Baumaßnahme. Hierfür müssen schon in einer frühen Planungsphase wichtige Entscheidungen getroffen werden, die den gesamten Lebenszyklus mit betrachten – nicht nur die in der Konstruktionsphase anfallenden Kosten. Die in der DGNB-Zertifizierung adressierten Kriterien geben einen guten Überblick über all jene Themen, um die es dabei geht: Angefangen von der Ressourceneffizienz und der Vermeidung von Schad- und Risikostoffen über die Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit bis hin zu soziokulturellen Aspekten wie einer hohen Aufenthaltsqualität.

Welche Bedeutung hat diese Art zu bauen heute und in Zukunft?

Eine grundlegende Bedeutung. Schließlich nimmt der Bausektor bei der Lösung von so zentralen globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel und der Ressourcenknappheit eine zentrale Rolle ein. Wenn wir weiter so bauen, wie es heute vielfach noch gemacht wird, steuern wir auf eine Sackgasse zu. Wir müssen den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes umfassend mit in unsere Entscheidungen einbeziehen und lernen, vom Ziel her zu denken und zu handeln. Aus diesem Grund spielt auch das Prinzip der Zertifizierung eine wichtige Rolle, weil es den verschiedenen am Bau Beteiligten eine gemeinsame Grundlage bietet und Nachhaltigkeit anwendbar macht. Es macht das Umgesetzte messbar und damit transparent nachvollziehbar.

von links nach rechts:
Sebastian Höfker, Projektleiter Neubau Deutsche Wohnen,
Prof. Alexander Rudolphi, Präsident der DGNB,
Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen

Und welche Rolle spielt – aus Ihrer Sicht – der Gesetzgeber dabei?

In Deutschland eine ganz wichtige. Wir haben hierzulande im Bauen nicht nur Überzeugungstäter, sondern eine große Menge an Unternehmen, die erst mal abwarten, bis etwas im Markt angekommen ist oder gefordert wird. Deshalb würde es die weitere Entwicklung des nachhaltigen Bauens deutlich beschleunigen, wenn der Gesetzgeber Ziele, wie wir sie im Rahmen der Zertifizierung formuliert haben, übernimmt – beispielsweise über entsprechende Förderungen oder eine Aufnahme in Genehmigungsverfahren.

Das Projekt der Deutsche Wohnen in der Argentinischen Allee wurde mit dem Status Gold und damit mit der zweithöchsten Bewertungsstufe ausgezeichnet. Was macht dieses Projekt so besonders?

Grundsätzlich kann man für jedes nach dem DGNBStandard zertifizierte Projekt sagen, dass es sich bewusst und ganzheitlich mit den vielfältigen Kriterien der Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat. Das gilt auch für das Sanierungsprojekt in der Argentinischen Allee. Besonders gut abgeschnitten hat es bei den Kriterien der ökologischen und ökonomischen Qualität.