Neubau neu denken

Die Daumstraße in Berlin-Spandau liegt in der Nähe der geschäftigen Altstadt von Spandau. Wer durch diese Straße fährt, sieht: Hier ist viel freie Fläche zum Bauen. Nicht sofort zu sehen ist, dass die Straße eine beeindruckende Geschichte hat. Nur ein Teil davon ist der Standort der Studios der CCC-Filmkunst. Gedreht wurden hier unter anderem „Die weiße Rose“ und „Ku’damm 56“. Jetzt entsteht in der Daumstraße ein Quartier, das die ideale Kombination aus Wohnen, Arbeiten, Architektur und Nachhaltigkeit sein wird.

Bei manchen Dingen ist das Besondere das Äußere. Bei anderen sind es die „inneren Werte“, die etwas außergewöhnlich machen. Beim geplanten Quartier der Deutsche Wohnen in der Daumstraße – direkt am Ufer der Havel – trifft beides zu. Äußerlich erinnert die Anlage der Häuser an alte Wikingerdörfer. Dazu kommen eine Holzhybridbauweise und teilweise Holzfassaden. Die Vegetation soll der an Fjorden nachempfunden werden. Im Inneren sorgen neue Ideen und innovative Technologien für den Unterschied zum Herkömmlichen.

Unterschiedliche Gebäudetypen für unterschiedliche Bedürfnisse 

Gebaut werden hier rund 286 Mietwohnungen in verschiedenen Größen und für verschiedene Lebenssituationen. Die Wohnungen verteilen sich auf drei unterschiedliche Gebäudetypen: Langhäuser, Gartenhäuser und Bootshäuser. Letztere entsprechen in Größe und Aufteilung einer Vier-Zimmer-Wohnung – gemacht für Familien. Daneben gibt es kleinere Wohnungen und auch Gewerbeflächen für den kleinen Einzelhandel im Rahmen der Nahversorgung, Co-Working und andere Büros. Die Fertigstellung ist bis Ende 2024 geplant.

Auffallend ist, dass die Wege zum Wasser offen sind. Es gibt keine abgeschlossenen Flächen oder Höfe. „Das Quartier an der Daumstraße soll keine ,Gated City‘ werden – ganz im Gegenteil soll es mit seinem offenen Tor zur Straße zum Besuch einladen“, erklärt Sebastian Höfker, Senior Projektleiter bei der QUARTERBACK Construction Berlin GmbH, die das Projekt für die DeutscheWohnen umsetzt. Die großen Grünflächen können von den Mieter:innen genutzt werden. Die Erdgeschosswohnungen haben außerdem eigene Gärten.

Wir haben sehr viel analysiert und abgewogen, bis wir alle einzelnen Bausteine so zusammenfügen konnten, dass die Daumstraße wirklich zum Referenzobjekt für unsere zukünftigen Neubauten geworden ist.

Benjamin Albrecht
Leitung Projektentwicklung
Benjamin Albrecht (rechts) und Sebastian Höfker

Benjamin Albrecht (rechts) und Sebastian Höfker

Wegweisend für die Zukunft

Das ganze Projekt Daumstraße wird mit dem Ziel entwickelt, einen Prototyp für das nachhaltige Bauen und Wohnen der Zukunft zu schaffen und Standards für unsere künftigen Neubauprojekte zu setzen. „Der Fokus liegt auf der lebenszyklusorientierten Planungs- und Bauweise, der Nachhaltigkeit und dem damit verbundenen Einsatz von neuen Materialien und Methoden“, beschreibt Benjamin Albrecht, Leiter Projektentwicklung bei der QUARTERBACK Construction Berlin GmbH, die Herangehensweise an das Projekt. Der Ansatz umfasst nicht nur Baumaterialien oder die Energieversorgung – er geht weit darüber hinaus. Einige Beispiele zeigen, wie weit der Plan gefasst ist. So setzt das Grünflächenkonzept auf nordische Pflanzen. Sie passen zur Architektur, garantieren gleichzeitig eine hohe Biodiversität und sind pflegearm. Zudem wird das Regenwasser nicht in die Kanalisation und nur teilweise in die Havel abgeführt, es speist vor allem einen Teich im Quartier. Gebaut wird auch mit Recyclingbeton – das spart viel CO₂ ein. Emissionsarm wird auch die Stromversorgung durch Photovoltaikanlagen sein. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass das Quartier am Ende von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem Gold-Status zertifiziert wird.

Für die Versorgung mit warmem Wasser wurde nach eingehender Prüfung eine dezentrale Lösung gewählt. Das erscheint zunächst überraschend, denn im Allgemeinen geht man davon aus, dass eine zentrale Lösung die effizientere ist. Die Berechnungen haben aber zu einem eindeutigen Ergebnis geführt, wie Benjamin Albrecht erklärt: „Eine zentrale Warmwasserversorgung würde hier mehr Strom verbrauchen und den sogenannten Primärenergiefaktor verschlechtern – um ganze 30 %. Dazu fällt der Wartungsaufwand mit der dezentralen Lösung im Schnitt auch noch geringer aus.“

 

Bausteine für das Zukunftsprojekt Daumstraße

Modernes Mobilitätskonzept und digitale Technik

Das ganze Quartier wird autofrei. Autos werden ausschließlich in der Tiefgarage parken, die von außen befahrbar ist. Außergewöhnlich ist das besondere Konzept der Tiefgarage: „Aus dem Dach der Tiefgarage wachsen Bäume in den zentralen Platz des Quartiers. Dadurch wird die Garage natürlich belüftet und trägt gleichzeitig zur Aufenthaltsqualität auf dem Platz bei“, so Sebastian Höfker. Die Hälfte der Stellplätze wird mit einer Lademöglichkeit für E-Autos ausgestattet, eine spätere Erweiterung wird von Anfang an mitgedacht und ist jederzeit bei Bedarf möglich. Außerdem wird es Mobility Hubs inklusive verschiedener Sharing-Angebote geben.

Zum Inneren der Häuser wird die digitale Wohnassistenz der Deutsche Wohnen mit ihrer displaybasierten Steuerung gehören. Sie übernimmt die Funktion einer klassischen Video-Gegensprechanlage und sorgt gleichzeitig für eine energieeffiziente Steuerung der Heizung. Die digitale Wohnassistenz kann zukünftig auch zur Steuerung der Verschattung, der Beleuchtung, der Darstellung der Energieverbrauchswerte und als „digitales Schwarzes Brett“ genutzt werden. Eine andere Smart-Home-Anwendung hingegen ermöglicht es, Häuser und Wohnungen bequem und ohne Schlüssel zu betreten.

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In Berlin-Spandau werden rund 286 Mietwohnungen entstehen

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Das Baugrundstück liegt direkt an der Dahme

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Auf dem zentralen Platz wachsen Bäume aus dem Dach der Tiefgarage

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