Start in ein neues, ein besseres Leben

Das Projekt Housing First für Frauen verhilft von Wohnungslosigkeit betroffenen Frauen zu einem Leben fern von Obdachlosigkeit – mit eigenem Mietvertrag und verlässlichem Beratungsangebot. Überzeugt von der Idee und vom Träger, engagiert sich die Deutsche Wohnen in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Berlin – kurz SkF – für das Projekt. Nach rund einem Jahr der Zusammenarbeit zieht Shari Jasmin Becker, die für die Vermittlung der Wohnungen zuständig ist, auf Seiten der Deutsche Wohnen eine durch und durch gute Zwischenbilanz. Im Gespräch erklärt die stellvertretende Leiterin des Vermietungsteams der Deutsche Wohnen Immobilien Management GmbH, was Housing First für Frauen so besonders macht.

Frau Becker, wie viele Frauen konnten dank des Projekts bereits aus der Obdachlosigkeit geholt werden?

Ich freue mich sagen zu können, dass wir nach etwa einem Jahr schon 15 obdachlosen Frauen zu einer Wohnung verhelfen konnten. Ganz besonderen Anlass zur Freude gibt es, weil bisher alle Frauen damit auch den Sprung in ein neues Leben zu schaffen scheinen – im Moment sieht es jedenfalls sehr gut aus.

Was unterscheidet Housing First von anderen Initiativen in diesem Rahmen?

Bei anderen Hilfsangeboten für Obdachlose ist die eigene Wohnung zumeist das Ziel und nicht der erste Schritt. Bei Housing First geht man den umgekehrten Weg und sagt, dass die eigene und sichere Wohnung die Voraussetzung dafür ist, sich selbständig eine neue Existenz aufzubauen und die dafür notwendigen Schritte zu gehen – also zum Beispiel eine Therapie zu machen oder sich einen Arbeitsplatz zu beschaffen. Hilfe gibt es für die Frauen im Alltag nur dann, wenn sie diese auch ausdrücklich wollen. Auch damit wird die Selbständigkeit unterstützt.

Wie kommen die Frauen zu Ihnen beziehungsweise zum SkF?

Das ist ganz unterschiedlich. Ein Teil wendet sich an das Projekt Evas Haltestelle, bei dem wohnungslose Frauen ihre Grundbedürfnisse nach Essen, Schlaf sowie Körper- und Wäschepflege erfüllen können. Sie werden dann von den Mitarbeiterinnen auf Housing First aufmerksam gemacht. Andere haben durch den entsprechenden Flyer davon erfahren oder bekommen den Tipp von Sozialarbeitern. Alle Frauen eint, dass sie aus dem Sozialsystem gefallen sind oder sich schämen, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Gute Tradition

Die Deutsche Wohnen arbeitet seit nunmehr acht Jahren mit verschiedenen Sozialträgern zusammen, die Wohnraum an Menschen in sozial schwierigen Situationen vermitteln. Dazu gehörten in den vergangenen Jahren zum Beispiel:

Vermittlung von Wohnraum für Frauen:
Caritas-Projekt NeuRaum – Wohnen nach dem Frauenhaus | Hestia e.V. für Frauen in Gewaltsituationen

Unterstützung jugendlicher Flüchtlinge und Vermittlung von Wohnraum:
KJHV Berlin-Brandenburg | JaKuS e. V. | Pad gGmbH

Warum fiel die Entscheidung, sich dabei auf Frauen zu konzentrieren?

Wir helfen nicht nur Frauen – das gilt nur für die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Berlin. Dass sich der SkF auf Frauen konzentriert, lässt sich schon am Namen erkennen. Dazu arbeiten in diesem Projekt des SkF auch nur Frauen und das macht es hilfesuchenden Frauen leichter, Kontakt aufzunehmen. Dazu liegt – Schätzungen nach – der Anteil wohnungsloser Frauen unter den Obdachlosen zwischen 25 % und 30 %. Aber: Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit Housing First Berlin vermitteln wir auch Wohnungen an wohnungslose Männer.

Gibt es besondere Gründe, die dazu führen, dass Frauen obdachlos werden?

Ja, und zwar einige, die uns vor der Zusammenarbeit noch nicht bewusst waren. Oft ist es zum Beispiel so, dass in Beziehungen die Männer die Mietverträge unterschreiben und bei Ende der Beziehung ist es dann die Frau, die die Wohnung verlassen muss. Dazu kommen bekanntere Gründe wie Gewalt in der Beziehung oder der Arbeitsplatzverlust. Dabei ist es sehr auffällig, dass vielen obdachlosen Frauen nicht anzusehen ist, dass sie keine Wohnung haben. Sie verwenden sehr viel Zeit und Energie darauf, diesen Umstand zu verschleiern, weil sie sich schlicht schämen.

Eine wichtige Frage noch zum Schluss: Gibt es Pläne für die Zukunft?

Ja, wir werden das Projekt auf jeden Fall fortführen – auch weil die Kollegen in der Vermietung uns wirklich großartig unterstützen und Bescheid geben, wenn eine Wohnung frei ist, die sich besonders gut anbietet.

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