Servus, alte Fabrik! Servus, neues Wohnen!

Die bayerische Kreisstadt Dachau mit ihren fast 50.000 Einwohner:innen liegt nordwestlich von München. Von Bahnhof zu Bahnhof braucht es keine halbe Stunde. Nach ein paar Minuten Fußweg ist das Gelände der alten MD Papierfabrik zusehen – aktuell vor allem die großen Baumaschinen, die mit dem Abbruch beschäftigt sind.

Wenn die letzten Teile der alten Fabrik in Dachau abgerissen sind, wird hier ein neues Wohnviertel entstehen – ganz in der Nähe der bayerischen Landeshauptstadt und in einer Stadt, in der viele Menschen eine Wohnung suchen.

Wer das Gelände besucht, hat gute Chancen, von Friedrich Thoma begrüßt zu werden. Im Jahr 1962 – 100 Jahre nach Gründung der München-Dachauer Aktiengesellschaft für Maschinenpapierfabrikation – trat Friedrich Thoma dort als ganz junger Mann seinen ersten Tag als Lehrling für Maschinenbau an. Heute geht er immer noch zu seinem Arbeitsplatz an der Ostenstraße 5, auch wenn sich mittlerweile einiges – nein, alles – geändert hat. Die alte Papierfabrik, die ihre Erfolge im 19. Jahrhundert vor allem auch Louis Weinmann zu verdanken hat, gibt es nicht mehr. Louis Weinmann sorgte dafür, dass die soziale Verantwortung des Unternehmens auf die Agenda gesetzt wurde, und ist auch deshalb bis heute als „Vater der Arbeiter“ in Erinnerung. Seine Büste und die Objekte des MD-Museums hat Friedrich Thoma gerettet. Nein, nicht vor den Bauarbeitern, sondern vor denen, die das Gelände, die Produktionshallen und die denkmalgeschützten Gebäude, die noch auf dem Gelände stehen, als Abenteuerspielplatz für ihre Zerstörungswut angesehen haben. „Mittlerweile hat der Vandalismus aber nachgelassen“, sagt Thoma. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, beauftragten Firmen, Aufsichtsbehörden und Ämtern als Ansprechpartner der Isaria vor Ort zur Verfügung zu stehen. Dazu erledigt er die ganz praktischen Dinge, die auf einer großen Baustelle immer anfallen. Ein Beispiel: Damit der neue Bauzaun zur Sicherung der Baustelle aufgebaut werden kann, muss vorher der Grünbewuchs entfernt werden – und darum kümmert sich Friedrich Thoma.

»Es freut mich, miterleben zu dürfen, wie nach dem Niedergang nun etwas Neues entsteht.«

Friedrich Thoma
Isaria München

Für Besucher:innen des Geländes übernimmt er aber auch gerne die Rolle des „Fremdenführers oder Pfadfinders“ und mit seiner offenen, freundlichen und humorvollen Art macht er die Bekanntschaft mit dem historischen Gelände zu etwas Besonderem. Wenn er von der Fabrik und dem Niedergang der Produktion erzählt, dann stellt sich die Frage, warum er so lange auf dem Gelände beschäftigt war, wenn die Papierproduktion doch schon 2007 eingestellt wurde. „Die Maschinen wurden von einem indischen Unternehmen gekauft und ich wurde gebeten den Abbau zu beaufsichtigen. Dann brauchte man jemanden, der sich auf dem Gelände auskannte und der Vertreter von Ämtern oder auch Kaufinteressierte führen konnte. Und später jemanden, der die ausführenden Firmen mit Plänen und Hintergrundwissen zu Aufbauten, Verbauungen und Versorgungssystemen unterstützt.“ So kam eines zum anderen und das hat dafür gesorgt, dass Friedrich Thoma seit 1962 jeden Arbeitstag das gleiche Ziel hat. Und das kommentiert er selber kurz und knapp mit einem Lächeln: „Das passt gut so.“

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