Was bedeutet zukunftsfähiges Wohnen für Sie?

Henrik Thomsen ist Vorstandsmitglied der Deutsche Wohnen SE. Er trägt die Verantwortung für die Bereiche Neubau, Sanierung, Quartiersentwicklung und Technologie. Konnektivität, soziale Netzwerke, Mobilität und Energie sind für ihn die Themen der Zukunft. Im Interview skizziert er, wie wir morgen wohnen werden.

Herr Thomsen, intelligentes Wohnen ist ein großes Thema – auch bei der Deutsche Wohnen. Warum eigentlich? Bisher ging das Wohnen analog doch eigentlich auch ganz gut …

Dafür gibt es sehr gute Gründe. Ein wichtiges Beispiel von vielen ist die soziale Nachhaltigkeit. Warum? Früher spielten im Leben fast aller Menschen die Kirchengemeinde und die Großfamilie eine entscheidende Rolle, denn beide gaben Halt. Das ist heute oft etwas anders und Menschen können vereinsamen. Das können wir nicht grundsätzlich ändern, aber wir können aktive Nachbarschaften in unseren Quartieren unterstützen. Hier können digitale soziale Plattformen sehr hilfreich sein, um das „analoge Zusammensein“ zu fördern. Daneben spielt selbstverständlich auch die Energieeinsparung im Immobiliensektor eine zentrale Rolle. Hier haben wir als Wohnungsunternehmen eine besondere Verantwortung – und zwar nicht nur im Hinblick auf das Gebäude. Wir arbeiten beispielsweise bereits an energiesparenden Mobilitätskonzepten in unseren Quartieren. Dazu gehört unter anderem, die notwendige Infrastruktur für Elektrofahrzeuge zu schaffen, aber auch Partnerschaften mit Verkehrsbetrieben sind eine Möglichkeit.

Henrik Thomson
Henrik Thomson

Wenn die Mieter in Deutschland im Jahr 2030 auf das Jahr 2020 zurückblicken, dann wird sich wahrscheinlich allerhand verändert haben. Was meinen Sie, wird sich getan haben?

Wir denken, dass das Wohnen besser und sicherer werden wird. Das gilt zum Beispiel für Menschen, die Unterstützung im Alltag benötigen. Sensoren, wie sie in der Smartwatch schon eingesetzt werden, machen es möglich festzustellen, ob es jemandem gut geht oder nicht. Dazu muss die Privatsphäre nicht verletzt werden – schon gar nicht mit Kameras. Aber zwei Dinge sind notwendig: Zum einen müssen wir darauf hören, was unsere Mieter wünschen, und zum anderen müssen wir Neugierde und Lust auf Neues wecken. Neue Technologie muss sein wie Fahrrad fahren mit Rückenwind: Plötzlich geht es viel einfacher, ohne dass ich darüber nachdenken oder etwas dafür tun muss. Genauso müssen unsere Lösungen für das Wohnen von morgen sein.

Im vergangenen Jahr wurden die Anstrengungen rund um das intelligente Haus vorangetrieben. Ist das der erste Schritt in die gelebte Zukunft?

Die Wohnung wird in Zukunft eine wichtige Funktion als Schnittstelle einnehmen. Dafür ist MiA schon heute sehr gut geeignet, weil sie keine fertige Lösung ist, sondern eine Plattform, die wir immer wieder mit neuen Funktionen verbinden können. Dazu haben wir uns ganz verschiedene Partner gesucht, die Module für diese Plattform zur Verfügung stellen können. Da ist KIWI mit dem schlüssellosen Zugangssystem ein gutes Beispiel – aber auch nur eines von vielen. Am Ende sind es drei Themen, die das intelligente Haus vereinen muss: Service im Alltag, Sicherheit im Gebäude und der Wohnung und mehr Nachhaltigkeit. Um auf die Frage zurückzukommen: Ja, die ersten Schritte sind erfolgreich gemacht.

Nicht jeder sieht die Digitalisierung als Chance, es gibt auch Vorbehalte – gerade wenn es um die eigene Wohnung geht. Wie begegnen Sie solchen Bedenken?

Zwei Dinge sind hier zentral: Wir dürfen unsere Mieter nicht überfordern und es geht nicht darum, neue Technologien um ihrer selbst willen einzuführen. Auch deshalb muss sich die Technik den Menschen anpassen und nicht umgekehrt. Als Wohnungsunternehmen stehen wir an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik. Unsere Aufgabe ist es, unsere Mieter mitzunehmen und sicherzustellen, dass sie sich wohlfühlen.

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