„Wir müssen neue Wege suchen“

Die Deutsche Wohnen stand im vergangenen Jahr in der ersten Reihe einer Auseinandersetzung, die sich im Kern um die Frage drehte, wie bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann. Ein Gespräch dazu mit Michael Zahn, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Wohnen SE.

Herr Zahn, Ihr Unternehmen steht seit Monaten im Mittelpunkt einer harten gesellschaftlichen Debatte zum Thema Wohnen. Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, lediglich aus Profitinteresse zu handeln und dabei die Verdrängung von Mietern in Kauf zu nehmen, die sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können?

Der Vorwurf ist sehr plakativ. Die Deutsche Wohnen ist in Berlin vor Ort präsent und kein anonymer Fonds in einem Steuerparadies. Das trägt mit dazu bei, dass wir im Zentrum der Debatte stehen, bei der es meines Erachtens vor allem um vielfach vorhandene Ängste geht, die durch die Veränderungen in den Metropolen entstehen. Diese müssen wir ernst nehmen. Es hilft aber nichts, immer nur denjenigen hinterherzulaufen, die am lautesten schreien und die einfachsten Lösungen propagieren. Um die Probleme auf dem Wohnungsmarkt zu lösen, braucht es Mut, Willen, Gestaltungs- und Überzeugungskraft sowie Charakter. Wir müssen für eine Lösung im Sinne aller Beteiligten neue Wege suchen.

Welchen Weg schlagen Sie vor, wenn Sie im Gespräch mit den politischen Spitzen sind?

Wenn wir in Zukunft die Höhe der Miete stärker am Einkommen orientieren, würden wir ein solidarisches Miteinander in unserer Stadt fördern. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch mit der Frage beschäftigen, wie Städte in fünfzehn bis zwanzig Jahren aussehen werden. Hier stehen wir vor massiven Herausforderungen. Klimaschutz, die älter werdende Gesellschaft, Migration, neue Lebens- und Arbeitsformen erfordern auch neue Lösungen beim Wohnen. All das muss von öffentlicher und privater Wohnungswirtschaft, Politik und kritischer Öffentlichkeit gemeinsam als Herausforderung angenommen werden. Ganz konkret können wir aber bereits heute Erfolge erzielen, wenn wir den Neubau erheblich beschleunigen. Hier könnte die Politik viel mehr tun, und damit meine ich, sie muss Bauland zur Verfügung stellen, deutlich schnellere Baugenehmigungen erteilen, Steuern und Abgaben reduzieren und Verordnungen ausdünnen.

Michael Zahn
Michael Zahn

Sie haben gerade wichtige Themen benannt, die neben den Mieten Gewicht haben. Durch die Bewegung „Fridays for Future“ ist der Klimaschutz weltweit endgültig ins Zentrum gerückt …

… und das völlig zu Recht. Uns beschäftigt das Thema seit Jahren – mehr als ein Drittel aller Emissionen in Deutschland werden durch Immobilien verursacht. Gut, man kann sagen, dass beim Neubau eine hohe Energieeffizienz mittlerweile Standard ist. Um den Gebäudebestand steht es allerdings ganz anders. Hier bedarf es umfassender Investitionen, um die Gebäude energetisch zu sanieren und die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Gerade die börsennotierten Wohnungsunternehmen können hier einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Sie verfügen über die Finanzkraft und den Zugang zum Kapital zur Finanzierung der Investitionen. Immer mehr Aktionäre fordern bereits, dass Firmen ihr Geschäft auf nachhaltigen Erfolg ausrichten.

Wo sehen Sie künftige Herausforderungen für die Stadtentwicklung?

In wenigen Jahrzehnten wird die große Mehrheit der Menschheit in Städten leben. 2050 sollen es laut Schätzungen um die 84 % sein. Das bedeutet nicht nur, dass in großem Umfang neue Wohnungen gebaut werden müssen. Das Leben in den Metropolregionen wird sich gravierend verändern. Daher müssen wir darüber nachdenken, wie wir unser Miteinander über das Wohnen hinaus gestalten: Wie sehen Verkehr und Logistik von morgen aus? Wie grün können Megacitys sein? Wie und wo kaufen wir ein? Als Teil der Immobilienwirtschaft sind wir gefordert, lebendige und sozial gemischte Quartiere zu schaffen, zu erhalten und zu fördern.

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